Ein Feuer, das Serbisch spricht
Am Vorabend großer Feiertage wird die Welt auf unterschiedliche Weise still – mancherorts durch das Funkeln der Städte, andernorts durch die Ruhe und Wärme eines Feuers, das Menschen zusammenführt. In Serbien jedoch bekommt dieses Licht am Heiligabend einen Namen: der Badnjak. Er ist nicht nur ein brennendes Holzstück – vor dem Haus, im Kirchhof, an einer Dorfkreuzung oder in der Stadt, wo Funken wie kleine, eilige Glückwünsche in den Himmel steigen –, sondern ein Symbol für Gemeinschaft und Familie.
Das Entzünden des Badnjak ist einer der eindrucksvollsten Bräuche der serbischen Weihnachtstradition. Eine junge Eiche oder Zerreiche wird am Heiligabendtag rituell geschlagen, ins Haus gebracht oder am Abend entzündet, begleitet von Grüßen und Wünschen nach Fortschritt, Gesundheit und Frieden im Zuhause. Im modernen Leben, in dem viele kein eigenes Herdfeuer mehr haben, wird der Badnjak immer häufiger gemeinsam vor Kirchen entzündet – und gerade dort zeigt sich seine schönste Bestimmung: Menschen zu versammeln, damit alle im Kreis der gemeinsamen Wärme wie einer atmen.
Vor dem Christentum: Eiche, Herd und die neue Sonne
Um den Badnjak zu verstehen, muss man einen Moment vor die Zeit der Kirchenglocken zurückkehren – in eine Epoche, in der Feuer die Grenze zwischen Winter und Überleben markierte und die Eiche mehr war als nur ein Baum. Bei den alten Slawen (und in weiteren europäischen vorchristlichen Traditionen) trug das Feuer im dunkelsten Teil des Jahres eine klare Botschaft: „Wir werden durchhalten“, „Das Licht kehrt zurück“, „Ein neuer Kreis beginnt“. Deshalb erkennt man im Badnjak die Verbindung von Baumkult und Feuerkult – ein Ritual, das symbolisch die Sonnenkraft und die Fruchtbarkeit des kommenden Jahres heraufbeschwört, während der Herd zum Zentrum der Familienwelt wird.
Die Eiche erscheint in dieser Bedeutungsebene als der „richtige“ Baum für diesen Akt: stark, langlebig, verehrt. Es ist kein Zufall, dass der Badnjak meist mit der Eiche oder Zerreiche verbunden ist und dass sich um ihn Wünsche für das Gedeihen des Hauses ranken. Auch heute noch, wenn der Badnjak hereingebracht oder entzündet wird, blitzt eine uralte Logik auf: Der Mensch stellt sich dem Winter nicht allein – sondern in Gemeinschaft, an einem Feuer, das alle in denselben Rhythmus verbindet.
Das Christentum nahm an, was die Menschen bereits im Herzen wussten, und verlieh ihm eine klare weihnachtliche Symbolik. In der orthodoxen Deutung erinnert das Badnjak-Feuer an das Feuer, das die Hirten der Überlieferung nach in Bethlehem entzündeten, um das neugeborene Christuskind zu wärmen; die Funken sind ein Bild der Freude, die Wärme ein Bild von Erlösung und Nähe. In manchen Auslegungen verweist der Badnjak auch auf das Holz des Kreuzes: vom Holz, das wärmt, zum Holz, das rettet – alles vereint in einer kraftvollen symbolischen Linie.
Darum ist der Heiligabend in unserem Brauchkalender kein Abend des Lärms, sondern einer der Wachsamkeit und Versöhnung: damit nichts „Schweres“ in das neue Jahr des Herzens getragen wird, damit vergeben wird und man ruhig in Weihnachten eintritt. Und deshalb ist die Einladung einfach: Schließen Sie sich dem Entzünden des Badnjak an – in Ihrer Familie, im Dorf, in der Stadt, vor der nächsten Kirche. Treten Sie nahe an das Feuer, aber noch näher zu den Menschen. Und wenn jemand fragt, was hier eigentlich gefeiert wird, können Sie ruhig sagen: Es wird das zurückkehrende Licht gefeiert – das am Himmel und das in uns.
Im Christentum: Die Höhle von Bethlehem, Licht und Frieden
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